Qigong Yangsheng
„Qigong“, wie man es heute kennt, hat sich größtenteils erst im 20. Jahrhundert entwickelt, obwohl die Ursprünge bereits in frühen chinesischen therapeutischen Übungen des siebten Jahrhunderts liegen, zum Teil sogar weit vorher. Da es keine schnellen und harten Bewegungen gibt, erleichtert dies den Zugang zum Qigong – unabhängig von Vorerfahrung und körperlicher Verfassung.
Ein Übungsschwerpunkt liegt auf dem Qigong Yangsheng aus dem Lehrsystem von Prof. Jiao Guorui. Ausgewählte Übungen aus anderen Quellen wie z.B. dem Wudang oder dem Nei Yang Gong von Liu Yafei fließen zusätzlich ein.
Bei der Entwicklung des Verständnisses für die Bewegungen und Bewegungskräfte geht es in der Übungspraxis vor allem um das Erspüren und Fühlen. Das deutliche Empfinden ermöglich eine konkrete und bewusste Wahrnehmung sowohl der äußeren sichtbaren als auch der inneren Bewegung. Dabei geht es nicht um besondere ‚Gefühlssensationen‘ sondern insbesondere um ganz ‚natürliche‘ Körper- und Bewegungsempfindungen.
Aus dem Verständnis und spüren ,widerstreitender‘ Kräftepaare (öffnen/schließen, steigen/sinken, …), erwächst allmählich ein tieferes Erfassen des Bewegungsverlaufs und der Entstehung der Bewegung. Die Bewegungen entstehen nicht durch willentliches Anspannen einzelner Muskelpartien, sondern durch das Zusammenspiel der sich wandelnden Kräfte im ganzen Körper. Dies führt zur Erfahrung des im Taijiquan grundlegenden Themas von „voll“ und „leer“ (shi und xu). Die Unterscheidung zwischen belasteten und unbelasteten Körperbereichen, zwischen tragenden und getragenen Anteilen, wird zum Beispiel in den „15 Ausdrucksformen“ geübt, erfahren und vertieft. Die Atmung nimmt in diesem Prozess eine besondere Stellung ein. Sie wird nicht durch bewusstes Steuern gelenkt, sondern über die Körperhaltung und die Bewegung harmonisiert. Die äußere Bewegungsführung und die innere Bewegung des Atems stimmen sich aufeinander ein und bilden eine natürliche Einheit. So kann die/der Übende allmählich eine angemessene Bewegung finden – eine Bewegung, die weder zu kraftvoll noch zu schlaff ist, weder zu schnell noch zu langsam, sondern dem eigenen gegenwärtigen Zustand und den Übungsprinzipien entspricht.
Die Titelgrafik dieser Seite zeigt Prof. Jiao Guorui in Positionen aus dem ‚Spiel der Tiere‘. Tiger, Hirsch und Affe. Bronzefiguren von Gisela Drescher.
Die Herausforderung besteht darin den Wert der einfachen Übungen zu erkennen, die Übungsprinzipien zu verstehen und kontinuierlich zu praktizieren.
Sechs Schlüsselpunkte –
Prinzipien des Übens im Qigong YangshengEntspannung, Ruhe, Natürlichkeit
Vorstellungskraft und Qi folgen einander
Bewegung und Ruhe gehören zusammen
Oben ‚leicht‘ – unten ‚voll‘
Das richtige Maß
Schritt für Schritt üben

